MACHT EUER DING!

Wieder mit Teilnehmerrekord: Das 16. Schachturnier in der Pfennigparade

Die herausfordernden Bedingungen des Schachturniers kannten viele Teilnehmende bereits aus den Vorjahren. Im Veranstaltungssaal der Pfennigparade herrschten tropische Temperaturen, schon nach wenigen Zügen klebten die T-Shirts auf der Haut, der Schweiß rann in Strömen. Die Atmosphäre erinnerte eher an einen Ringerwettkampf in der Schulturnhalle als an ein Schachturnier. Doch offensichtlich focht das die wenigsten an: „Ihr habt alle kühle Köpfe bewahrt“, lobte Großmeister Stefan Kindermann bei der abschließenden Siegerehrung. Und damit meinte er nicht nur die Akteure an den 24 Schachbrettern, sondern auch die Organisatorinnen, die vielen Helferinnen und Helfer sowie alle anderen, die ihren Beitrag zum Gelingen geleistet haben. Die 16. Auflage von „Geistesblitz und Taktikwitz“, die die Schachstiftung gemeinsam mit der Stiftung Pfennigparade veranstaltet hat, entwickelte sich erneut zu einem außergewöhnlichen Wettbewerb.

Am Kandidatenturnier nahmen diesmal 47 Schachbegeisterte teil – Spielerinnen und Spieler aus verschiedenen Einrichtungen und Schulen rund um die Pfennigparade. Alle, die sich für Schach interessieren, waren herzlich eingeladen. Nicht die Spielstärke entscheidet darüber, wer mitmachen darf – sondern die Freude am Schach. Gerade diese Offenheit macht den besonderen Charakter des Turniers aus. Gespielt wurde nach dem Schweizer System: Dabei werden die Konkurrentinnen und Konkurrenten zunächst noch zufällig zusammengelost, doch im Laufe des Wettbewerbs treffen schon bald nur noch Spielerinnen und Spieler aufeinander, die auf einem ähnlichen Niveau spielen. So setzt sich am Ende in aller Regel die stärkste Spielerin oder der stärkste Spieler durch. Den Ausschlag gab schließlich die sogenannte Buchholzwertung, also die Stärke der Gegner, gegen die die Punkte erzielt wurden. Und die spielte diesmal eine ganz besondere Rolle: Am Ende hatten gleich vier Spieler je sechs Partien gewonnen und eine verloren. Da brauchte Sieger Yehor Yazov neben Können doch auch ein bisschen Glück, um sich vor Alejandro Castillo Batista und Julian Bezold an die Spitze zu setzen.

Am zweiten Tag, beim Meisterturnier, ging es ein wenig „ruhiger“ zu. 38 Spielerinnen und Spieler nahmen diesmal teil. Viele von ihnen kannten sich aus den vergangenen Jahren und freuten sich schon auf das Wiedersehen, lebhafte Duelle und gelungene Revanchen. Früh zeichnete sich ab, dass Johanna Schmidt die stärkste Spielerin im Feld war. Die ersten fünf Partien gewann sie souverän. Am Nachmittag aber musste sie zweimal wacker kämpfen, um schließlich mit einem Punkt Vorsprung an der Spitze des Feldes zu stehen. Als Dritter wieder auf dem Treppchen: der mehrfache Sieger Thomas Pullauf. Dazwischen schob sich diesmal auf Platz zwei Robert Leibel, der als Einziger der Gewinnerin ein Remis abgetrotzt hatte.

Ein Team aus Vertreter:innen der Stiftung Pfennigparade und der Schachstiftung stemmte gemeinsam die Organisation der Veranstaltung. Es waren wieder zwei ereignisreiche Tage. Nicht nur, weil der im Vorjahr aufgestellte Teilnehmerrekord erneut purzelte. Das Schachturnier hat sich zur Attraktion gemausert. Mit Clarissa Käfer, Dr. Richard Lutz und Dr. Thomas Wittig hatten gleich drei Schachfreundinnen und -freunde die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen. Dr. Wittig als Vertreter des Stiftungsrates erinnerte in seinem Grußwort an den olympischen Gedanken: „Es geht nicht immer nur ums Gewinnen.“ Mindestens ebenso viel zählten neue Erfahrungen und Freundschaften, die die Teilnehmenden von hier mitnähmen. Prof. Angelika Speck-Ramdan, ehemalige Vorsitzende des Stiftungsrates der Pfennigparade, und Zeit-Schachkolumnist und Großmeister Helmut Pfleger waren als Ehrengäste eingeladen. Auch Pfennigparade-Vorstand Ernst-Albrecht von Moreau, Roman Hanig, Leiter der Ernst-Barlach-Schulen, sowie Dijana Dengler und Roman Krulich, die Gründer der Münchner Schachstiftung, erlebten vor Ort die spannenden Duelle um den Turniersieg. 

Tatsächlich wird beim Turnier in der Pfennigparade weit mehr gelacht, gejubelt und geschrien, als es beim oft überaus ernsten Geistessport Schach üblich ist. Die gute Laune herrscht vor! In der Pause des Kandidatenturniers wurden die Teilnehmenden mit Eis versorgt. Das hob die Stimmung, kühlte die Gemüter und gab neue Energie für die letzten Partien des Tages.

Vorstand Stefan Kindermann zeigte sich beeindruckt von Geduld, Durchhaltevermögen und Spielstärke der Teilnehmenden: „Ihr habt viel dazugelernt und klug und mutig euer Ding gemacht.“ Zum Abschluss erhielten alle Spielerinnen und Spieler Urkunden und attraktive Preise, die Erstplatzierten außerdem die begehrten Siegerpokale. Eins ist jetzt schon sicher: Auch im nächsten Jahr wird es wieder ein spektakuläres Schachturnier in der Pfennigparade geben. Der Termin für die 17. Auflage (21./22. Juni) wurde bereits fest vereinbart und wird Teil des 20-jährigen Jubiläums der Schachstiftung sein.


„Es war eine große Freude und Ehre für mich, Schirmherr dieses traditionsreichen Schachturniers sein zu dürfen. Wer noch einen Beweis für das inklusive Potenzial von Schach benötigen sollte, der muss nur mal bei „Geistesblitz & Taktikwitz“ in der Pfennigparade vorbeischauen! Glückwunsch an alle Teilnehmer:innen und ein herzliches Dankeschön an alle, die diese zwei Turniertage möglich gemacht haben.“ (Schirmherr Dr. Richard Lutz)

Siegerehrung beim Masterturnier: Dr. Helmut Pfleger, Dijana Dengler, Siegerin Johanna Schmidt, Dr. Richard Lutz, Stefan Kindermann, Clarissa Käfer, Thomas Leibl (2.), Prof. Dr. Angelika Speck-Hamdan, Thomas Pullauf (3.), Dr. Thomas Wittig

Fotos: Kai Schmidt