Ein Fest der Konzentration und der Solidarität

Rekorderlös, große Emotionen und die „Kunst der Konzentration“ im Hotel Vier Jahreszeiten

Gastgeber Holger Schroth, Direktor des Hotels Vier Jahreszeiten Kempinski, und Stiftungsgründer Roman Krulich waren sich zu Beginn nicht ganz einig, ob sie nun die vierte oder bereits die fünfte Charity Gala eröffnen durften. (Richtig: zum fünften Mal.) Aber die über 120 Gäste, die sich im stilvoll renovierten Maximilianssaal des Hotels versammelten, trafen so oder so in bester Jubiläumsstimmung ein. Und am Ende eines ebenso ereignisreichen wie festlichen Abends waren die Erwartungen aller – des Publikums wie auch der Akteurinnen und Akteure der Münchener Schachstiftung – weit übertroffen.

Dass der Spendenerlös mit deutlich über 40.000 Euro ein neues Rekordergebnis erzielte, ist dabei weit mehr als eine Randnotiz. Schließlich findet der Charity Event mit dem erklärten Ziel statt, Unterstützung für die Schachprojekte der Stiftung an Münchner Brennpunktschulen einzuwerben. Und dazu ließen sich die Besucherinnen und Besucher nicht zweimal bitten.

 

Wenn der Hammer fällt

Bei der von einer bestens gelaunten Veronika Exler pointiert moderierten Auktion gingen die Preise durch die Decke. Wer zu kurz kam, nahm es sportlich – und stieg beim nächsten Objekt wieder ein: Dann ging es eben nicht nach Budapest, sondern mit einem Hotel-Gutschein nach Berlin, Dresden oder St. Moritz. Wenn der Bieterwettbewerb einmal ins Stocken zu geraten drohte, drehte Stiftungsvorständin Dijana Dengler gekonnt an den Stellschrauben. Und das Jazz-Trio um Pianist Michael Emanuel Bauer steigerte das Tempo sukzessive, bis schließlich der Hammer fiel.

Der „Kunst der Konzentration“, dem Leitmotiv des Abends, begegneten die Gäste immer wieder im abwechslungsreichen Programm – zwischen Cremesüppchen, Trüffel-Sellerie-Risotto und Tarte vom grünen Tee. Dabei wurde ihnen durchaus einiges abverlangt. Zauberkünstlerin Orélie nahm die eine und den anderen bereits eingangs in der Bar-Lounge in Empfang und jonglierte mit Worten wie mit Zahlen. Später auf der Bühne sprengte sie nicht nur das Fassungsvermögen eines Holzpuzzles, sondern auch die Auffassungsgabe ihrer Betrachter – und verband ihre Magie virtuos mit den Intentionen der Schachstiftung: denen zu helfen, die es am dringendsten nötig haben.

Schach in seiner schönsten Form

Starfotograf Stev Bonhage steuerte eine bemerkenswerte Ausstellung seiner wichtigsten Schachmotive bei. Wohl kaum jemand hat sich in den vergangenen Jahren so intensiv mit der Ästhetik des königlichen Spiels auseinandergesetzt wie der schwedische Bildkünstler. Und es waren nicht nur die Porträts von Magnus Carlsen und anderen Protagonisten des Spitzenschachs, die das Publikum beeindruckten.

Bonhage zeigt Schach, wie es bislang selten zu sehen war – nun auch in seinem Bildband zum 20-jährigen Bestehen der Münchener Schachakademie: Geschichte einer Vision. „Es ist unglaublich, was hier geleistet wurde, um benachteiligten Menschen den Zugang zum Schach zu ermöglichen“, lobte der Fotograf, der in den vergangenen Monaten mit seiner Kamera bei vielen Initiativen der Schachstiftung anzutreffen war: in Schulen, Seniorentreffs, beim Turnier der Pfennigparade ebenso wie bei den Deutschen Schachmeisterschaften. Zur Versteigerung steuerte er drei seiner Werke bei – darunter ein Porträt von Magnus Carlsen, signiert vom Weltmeister selbst. Ein überaus begehrtes Objekt.

Blindes Vertrauen – und wache Augen

Was Konzentrationsfähigkeit in der faszinierenden Welt der 64 Quadrate bedeutet, demonstrierte Stiftungsvorstand und Großmeister Stefan Kindermann eindrucksvoll bei einer Partie Blindschach. Herausforderer Prof. Jörg Hoffmann versicherte sich der Unterstützung des erfahrenen Schacholympioniken Roman Krulich – doch selbst mit verbundenen Augen parierte Kindermann die Angriffe des Duos souverän. Die Partie endete versöhnlich remis. Nicht zuletzt dank eines fachkundigen Publikums, das eingeladen war, den Großmeister mit Interventionen und Zugvorschlägen zu unterstützen.

Überhaupt setzte der Charity Event bewusst auf Interaktion und Zuschauerbeteiligung. Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit wurden immer wieder getestet – meist mit erstaunlich guten Ergebnissen. Man musste auf der Hut sein, nicht nur bei Orélies Tischzaubereien. Mal galt es, eine Figurenkonstellation auf dem Schachbrett zu memorieren, dann wiederum stellte das filmische „Gorilla-Experiment“ die Wahrnehmung der Gäste auf die Probe.

Schach als Chance

In Vertretung des Oberbürgermeisters überbrachte CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl die besten Grüße der Stadtspitze. Er würdigte die unermüdliche Schaffenskraft und den Idealismus der Schachstiftung: „Sie setzen sich mit großem Erfolg für Ihr Ziel ein, jedem Kind in dieser Stadt die Möglichkeit zu geben, Schach zu lernen und zu spielen – ganz gleich, wo und in welchen Verhältnissen es lebt.“ Stadtrat Pretzl erinnerte daran, dass sich beim Schach ein Bauer in eine Dame verwandeln könne. Eine solche Erfahrung, so seine Botschaft, könne entscheidend für den Lebensweg eines Menschen sein.

Der Charity Event brachte die Münchener Schach-Community mit ihren wichtigsten Förderern zusammen – und setzte ein kraftvolles Zeichen für Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliches Engagement. Das Ergebnis war einmal mehr beeindruckend. Wir freuen uns auf das nächste Mal.


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